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Den Frankenschock als Chance für Erneuerungen nutzen

Rund zwei Jahre lang konnten sich die Unternehmen in Liechtenstein, wie in der Schweiz, auf einen Euro-Kurs von 1.20 einrichten. Die Frankenstärke, die den Wechselkurs von vorher 1.50 erheblich nach unten korrigierte, war für viele Betriebe eine Rosskur. Aber mit Rationalisierungen und Innovationen ist es den meisten gelungen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzurichten.
Arnold Matt
Arnold Matt, Präsident der Wirtschaftskammer Liechtenstein tritt zurück. (Bild: pd)

Obwohl die Schweizerische Nationalbank nie die Zusicherung abgegeben hatte, den Kurs von 1.20 ewig zu verteidigen, wogen sich viele in falscher Sicherheit. Die Aufgabe des Mindestkurses traf die Wirtschaft mehr oder weniger unvorbereitet.

Der Frankenschock hat massive Auswirkungen. Innerhalb weniger Minuten nach der Ankündigung der Nationalbank wertete der Franken gegenüber dem Euro um 20 Prozent auf. Nicht nur die Exporte wurden um diesen Prozentsatz teurer, auch die Lagerbestände entwerteten sich schlagartig. Zwar wurden Importe aus dem Euroraum günstiger, doch kann diese Verbilligung die Verteuerung der Exporte nicht kompensieren. Economiesuisse, der Verband der Schweizer Unternehmen, hat die Lage an einem Beispiel erläutert: «Nehmen wir an, ein typischer Industriebetrieb mit knapp 80 Mitarbeitenden und einem Exportanteil von 80 Prozent, der sich mit seinen Produkten eine Marge von gut fünf Prozent erwirtschaftet. Mit der Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank hat das KMU nicht nur die gesamte Marge eingebüsst, es drohen gar massive Verluste. Die Kosten um 15 Prozent zu senken, ist eine Herkulesaufgabe. Und selbst dann würde das Unternehmen lediglich eine schwarze Null schreiben.»

Nun sind nicht alle liechtensteinischen Unternehmen im Export tätig. Aber sehr viele arbeiten als Zulieferer für Exporteure und spüren damit jede Bewegung an der Preisfront. Wenn man sich daran erinnert, dass die Zulieferer schon in Zeiten stabiler Wechselkurse stark unter Druck waren, kann sich deren Situation mit der neuen Kursentwicklung gut vorstellen. Von aussen kommt sicher keine Entlastung, weshalb man sich überlegen muss, wie sich Kosten im Inland senken lassen. Economiesuisse hat drei Forderungen aufgestellt, die nicht ganz auf Liechtenstein übertragbar sind, aber auch für uns eine Richtung aufzeigen: Gebühren und Abgaben sollten gesenkt, die administrative Belastung der Unternehmen abgebaut und der unternehmerische Freiraum erhöht werden. Auch der Schweizerische Gewerbeverband, die Dachorganisation der Schweizer KMU, stimmt damit überein und fordert Massnahmen – und zwar in erster Linie mit der Senkung der Regulierungskosten.

Schon vor dem Frankenschock hat die Wirtschaftskammer Liechtenstein auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Regulierungsdichte abzubauen, weil sich viele Regulierungen negativ auf das Wachstum auswirkten. Insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe, da die Kosten für den Vollzug der Regulierungen die KMU stärker belasteten als grosse Firmen. Für die Wirtschaftskammer wäre es besonders wichtig, wenn die schon vor Jahren geforderte Deregulierungskommission eingesetzt würde. Diese Kommission sollte den Auftrag erhalten, die Gesetzgebung systematisch auf Möglichkeiten für einen Abbau oder für Vereinfachungen von Regulierungen zu untersuchen.

Auch eine andere Forderung der Wirtschaftskammer erhält mit dem Frankenschock eine besondere Aktualität: die Einführung eines systematischen KMU-Verträglichkeitstests für alle Gesetze und Verordnungen. Mit einem solchen Test sollten die praktischen Auswirkungen auf die Unternehmen in Erfahrung gebracht werden, mit entsprechender Berücksichtigung beim Erlass von Gesetzen und Verordnungen. Diese Forderung ist absolut nicht abwegig, zumal die Regierung im Regierungsprogramm zwei wichtige Ziele festlegte: Die nachhaltige Förderung der Innovationsfähigkeit und die Stärkung der Innovationsfähigkeit aller Unternehmen auf dem Wirtschaftsstandort Liechtenstein.

 

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