«Die Zahl der Einsätze hat kontinuierlich zugenommen»
Hilfe in der Krise: Das KIT im Einsatz

Die professionelle Notfallhilfe ist oft die erste Stütze in akuten Ausnahmesituationen. Die Zahl der Einsätze hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, insbesondere im Bereich der psychosozialen Krisen, erklärt Vanessa Schafhauser-Kindle. «Dies umfasst familiäre Konflikte, Suizidankündigungen oder psychische Belastungen.» Diese Entwicklung zeigt, dass das Bewusstsein für psychische Gesundheit in der Gesellschaft wächst. Immer mehr Menschen suchen in akuten Notlagen Unterstützung beim KIT.
Wir sind nicht dazu da, eine Krise zu lösen, sondern den Betroffenen zu helfen, die ersten Schritte in der Bewältigung zu gehen.
Die Bedeutung der Krisenintervention und emotional anspruchsvolle Einsätze
Das Kriseninterventionsteam ist im Pikettdienst organisiert und rund um die Uhr verfügbar. «Unsere Reaktionszeit ist durch die lokale Präsenz der Teammitglieder sehr kurz», betont Schafhauser-Kindle. Sobald die Polizei alarmiert, ist das Team innerhalb weniger Minuten vor Ort. Die erste Aufgabe: die akute Krisensituation stabilisieren. Dabei folgt das Team dem bewährten Safer-Modell: Stabilisierung der Betroffenen, Aktivierung vorhandener Ressourcen, Förderung der Kommunikation, emotionale Unterstützung und Weitervermittlung. Einsätze dauern in der Regel zwei bis drei Stunden. «Wir sind nicht dazu da, eine Krise zu lösen, sondern den Betroffenen zu helfen, die ersten Schritte in der Bewältigung zu gehen», erklärt Schafhauser-Kindle. Das KIT leistet direkt vor Ort psychologische Erste Hilfe und steht den Betroffenen in den ersten, oft schwersten Stunden nach einem Unglück zur Seite. Diese Unterstützung ist heute wichtiger denn je – eine essenzielle «Erste Hilfe für die Seele». «Früher übernahm das soziale Umfeld oft diese Rolle. Heute sind familiäre Strukturen nicht mehr so stark wie früher, und Nachbarschaftshilfe ist seltener geworden», sagt Schafhauser-Kindle.
Die Arbeit im KIT ist kein einfacher Job.
Das KIT unterstützt Menschen, die extremen psychischen Belastungen ausgesetzt sind – darunter Betroffene, enge Angehörige oder Zeugen, die mit einer aussergewöhnlichen Unglückssituation oder dem (drohenden) Verlust eines geliebten Menschen konfrontiert werden. Die häufigsten Einsätze erfolgen bei akuten Krisen oder schweren psychosozialen Belastungen, etwa bei plötzlichen Todesfällen durch Herzinfarkt, Verkehrsunfälle oder Krankheiten. Ebenso wird das KIT bei Verkehrs- und Arbeitsunfällen sowie bei Suizidversuchen oder vollzogenen Suiziden hinzugezogen. Besonders in diesem Bereich sei die Zahl der Einsätze in den letzten Jahren stark gestiegen, betont Schafhauser-Kindle – ein Zeichen dafür, dass die gesellschaftliche Sensibilisierung für dieses Thema deutlich gewachsen ist.
Wie das KIT im Team stark bleibt: Gemeinsam durch belastende Einsätze
Beim Kriseninterventionsteam (KIT) ist das Engagement nicht freiwillig, sondern professionell. «Die Arbeit im KIT ist kein einfacher Job», erklärt Vanessa Schafhauser-Kindle. «Sie verlangt nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, unter extremem Druck ruhig und lösungsorientiert zu handeln.» In Krisensituationen zählen nicht nur schnelle Entscheidungen und das technische Know-how – auch das emotionale Engagement spielt eine entscheidende Rolle. «Unsere Teammitglieder müssen nicht nur fachlich gut sein, sondern auch die persönliche Reife besitzen, um in den belastendsten Momenten beizustehen und zu helfen», so Schafhauser-Kindle weiter.
Unsere Teammitglieder müssen nicht nur fachlich gut sein, sondern auch die persönliche Reife besitzen, um in den belastendsten Momenten beizustehen und zu helfen.
Für die Mitglieder des KIT sind viele Einsätze auch persönlich belastend. «Besonders schwierig sind Fälle, in denen Kinder betroffen sind oder wenn Menschen sich das Leben nehmen», sagt Vanessa Schafhauser-Kindle. Um die eigene psychische Gesundheit zu wahren, setzt das KIT auf regelmässige Reflexion, kollegiale Gespräche und professionelle Supervision. «Jedes Teammitglied hat seine eigenen Strategien, um mit der emotionalen Belastung umzugehen. Entscheidend ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen.»
Trotz der hohen Anforderungen betont sie: «Die Arbeit im KIT ist eine der bereicherndsten, die man sich vorstellen kann.» Es geht nicht nur darum, Menschen in Krisensituationen zu helfen, sondern auch darum, als Team zusammenzuwachsen und voneinander zu lernen. Die Teammitglieder teilen nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch die Verantwortung für die Menschen, denen sie in schwierigen Momenten zur Seite stehen. «Es braucht eine besondere Art von Menschen, die sich dieser Herausforderung stellen – Menschen, die sowohl mit Herz als auch mit Kopf dabei sind», so Schafhauser-Kindle.
Auch wenn beim KIT Rückmeldungen häufig ausbleiben, ist es für das Team erfüllend zu wissen, dass ihre Hilfe einen positiven Einfluss hatte. Es ist vor allem die Tatsache, dass viele Betroffene nach der ersten Unterstützung wieder ihren Alltag aufnehmen können: «Das zeigt, dass die Krisenintervention ihre Aufgabe erfüllt hat», schliesst die KIT-Geschäftsführerin.
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